Abschlussveranstaltung Regionale Baukultur und Tourismus

Erfolgreiche Abschlussveranstaltung in Wittenberg mit wichtigen Impulsen

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Am vergangenen Freitag hat die Abschlussveranstaltung des Forschungsprojektes „Regionale Baukultur und Tourismus“ in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) stattgefunden. Trotz voller Terminkalender im Dezember fanden rund 60 Interessierte den Weg ins frisch eröffnete und moderne Stadthaus in der Lutherstadt.

Teilnehmer der Abschlussveranstaltung

Teilnehmer der Abschlussveranstaltung

„Pecha Kucha“

Pecha Kucha - die moderne Diaschau

Pecha Kucha – die moderne Diaschau

Nach einem Vorwort von Anke Brummer-Kohler (Leiterin der Abteilung Stadtentwicklung, Wohnen, öffentliches Baurecht, BMUB) und der inhaltlichen Einführung von Anca Cârstean (BBSR) haben wir die acht untersuchten nationalen Beispiele vorgestellt. Dafür wählten wir das Präsentationsformat „Pecha-Kucha“, das aus Japan stammt und möglichst spontane und knackige Vorträge begünstigt: jeder Vortrag ist nämlich auf 16 bis 20 Folien/Bilder festgelegt und jedes Bild bleibt für exakt 25 Sekunden stehen. Also quasi ein moderner Diavortrag. Wir als Redner waren also aufgefordert, unsere Präsentation entsprechend optimal auf die Bilder abzustimmen und nicht ins „Schwadronieren“ zu kommen. Das hat bei den acht guten Beispielen mal mehr und mal weniger gut geklappt – 25 Sekunden sind halt doch ziemlich kurz!

Vorstellung der Ergebnisse

Vorstellung der Ergebnisse

Nach der Mittagspause, die intensiv für den Austausch zwischen den Teilnehmern genutzt wurde, stand natürlich die Ergebnispräsentation auf dem Programm. Besonders wichtig war es uns, die Aspekte, die auf dem Weg zu einer erfolgreichen Baukultur- und Tourismus-Region wesentlich sind, näher zu erläutern:

  • Regionale Baukultur erkennen und sichtbar machen
  • Regionaltypisches Bauen weiterentwickeln
  • „Miteinander Reden“ als Teil der regionalen Baukultur
  • Qualifizierung im Bereich Baukultur und im Tourismus
  • Baukultur in Tourismusstrategien und im Marketing
  • Qualitätsvolles Bauen als touristisches Produkt


Lebhafter Austausch bei der Podiumsdiskussion

Es folgte eine lebhafte Podiumsdiskussion, bei der sich sowohl die teilnehmenden Touristiker als auch Baukultur-Experten eingehend austauschten:

Lebhafte Podiumsdikussion

Lebhafte Podiumsdikussion

Die Verbindung beider Disziplinen wurde von allen als fruchtbar und mit großen Potentialen bewertet – Reiner Nagel (Vorsitzender der Bundesstiftung Baukultur) sprach sogar von dem „Integral Baukultur und Tourismus“. Besonders wichtig war den Beteiligten die Kommunikation, also das Miteinander-Reden, um Wissen darüber zu erlangen, was die andere Seite überhaupt denkt und macht. Dabei sollte viel Wert auf den respektvollen Umgang gelegt werden, denn die Kommunikation müsse geübt werden. „Eine gemeinsame Sprache für ein gemeinsames Ziel.“ (Bettina Quäschning, IMG Sachsen-Anhalt). So wurden Besprechungen zwischen Touristikern und Baukultur-Akteuren auch als „Therapiesitzungen“ (Dr. Stefan Rhein, Direktor Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt) bezeichnet. Jedoch sollte nicht nur untereinander kommuniziert werden, sondern müssten auch die Leute vor Ort einbezogen werden (Joachim Brenncke, Präsident AK Mecklenburg-Vorpommern).

Michael Volgger (EURAC Research) – extra aus dem fernen Südtirol angereist – beschrieb Baukultur und Tourismus als „Schnittstelle par excellence zwischen Einheimischen und Gästen; Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; kollektiven und gemeinschaftlichen Gütern; mit Branchen wie Industrie, Handwerk oder Handel.“ Baukultur könne darüber hinaus als Bühne für regionale Identitäten genutzt werden, um sich durch Inszenierung von anderen Mitbewerbern abzuheben.

Wortbeitrag zur Podiumsdiskussion

Wortbeitrag zur Podiumsdiskussion

Außerdem wurde die Frage aufgeworfen, was gute Baukultur denn eigentlich sei und wie und woran sich die Qualität bemesse. Unterstützung könnten hier Gestaltungssatzungen bringen. Weiterhin wurde „moderne Architektur als bester Denkmalschützer“ (Dr. Rhein) bezeichnet.

Insbesondere im touristischen Kontext sei der Begriff der Baukultur sehr „sperrig“ und werde als solcher wenig genutzt. Touristiker bräuchten „Orientierung in Form von Landesleitbildern“ (Dieter Hütte, Geschäftsführer TMB). Der marketingtechnisch schwierige Begriff Baukultur müsse vielleicht einfach mit griffigeren Inhalten belegt werden.

Auf dem richtigen Weg

Zusammenfassung von Anca Cârstean, BBSR

Zusammenfassung von Anca Cârstean, BBSR

Man merkt: das Thema wurde lebendig diskutiert und zeigt auch, dass es noch viel Potential für die zukünftige Zusammenarbeit der beiden Disziplinen Baukultur und Tourismus bietet. Aber grundsätzlich ist man sich einig: „Baukulturschaffende machen Tourismus und Touristiker machen Baukultur. Sie teilen sich eben einen Lebensraum!“ (Michael Volgger).

Wir stehen also noch am Anfang und der Abschlussbericht, der pünktlich zur ITB im März 2015 erscheinen soll, ist ein wichtiger Anstoß. Um mit den Schlussworten von Frau Cârstean zu enden: „Wir wissen jetzt voneinander, können voneinander lernen und müssen das touristische `Storytelling´ nutzen, um die Gemeinsamkeiten von Baukultur und Tourismus in den Vordergrund zu stellen.“

Vorstellung des Baukultour-Blogs

Vorstellung des Baukultour-Blogs

Im Namen des ganzen Forschungsteams danken wir nochmals allen Gesprächspartnern für die spannenden Gespräche und Geschichten, sowie allen Teilnehmern für ihr Interesse.

Wir werden Sie auch zukünftig über diese Plattform auf dem Laufenden halten!

4 Kommentare

  1. Vielen Dank noch einmal für die Einladung zu Ihrer interessanten Veranstaltung. Dass, was am Ende des Tages eben immer am meisten zählt, sind die Gespräche die man „zwischenrein“ führt. Deshalb ist der Austausch zwischen den einzelnen Akteuren so wichtig. Beste Grüße aus dem Haus Schminke in Löbau!

    • Danke für Ihre Teilnahme. Wir freuen uns, wenn Sie die Veranstaltung für den persönlichen Austausch nutzen konnten. Es ist ja wünschenswert, wenn die Akteure voneinander lernen und sich Anregungen für die eigene Arbeit einholen können. Alles Gute!

  2. Sehr geehrter Herr Pflüger,
    der Abschluss ihrer Studie in Wittenberg war eine gelungene Veranstaltung zum „netzwerken“.
    Einige Punkte würde ich jedoch gerne noch ansprechen, weil die Einbindung der Zuhörer vielleicht etwas kurz kam:
    Die Bezeichnung „regionale Baukultur“ habe ich mit meinem Verein vor ca. 15 Jahren eingeführt, in der Absicht eine gewisse Abgrenzung zum Verständnis der Fachmedien von Baukultur zu dokumentieren.
    (www.netzwerk-regionale-baukultur.de)
    Für uns ist regionale Baukultur untrennbar verbunden mit einem deutlichen Bekenntnis zum Unverwechselbarkeit des Ortes durch seine Dachlandschaft, seine Maßstäblichkeit, Materialität und städtebauliche Struktur. Wir begrenzen diese Qualitätsmaßstäbe auf die Reste noch intakter Ortsbilder,.das was die Kriege und die Stadtzerstörungen der letzten Jahrzehnte übrig gelassen haben!
    Wir beabsichtigen damit keine „Flucht die Vergangenheit“, sondern wir erwarten eine intelligente, behutsame Weitentwicklung prägender Merkmale. Unsere Messlatte sind dabei Architekten wie Gion Caminada, Armando Ruinelli, Florian Nagler, Brenneke ARC oder Feiersinger.
    Zwei Dinge habe ich in Wittenberg vermisst:
    1. Endlich mal eine Diskussion zur Klarstellung, was ist gute Architektur? und was ist gute regionale Architektur?
    In den Beiträgen wurde „regionale Baukultur als Beitrag gegen Beliebigkeit und Austauschbarkeit“ angesehen.
    Ihr Vorzeigeobjekt der Vorarlberger Schule war in meinen Augen ein ubiquitäres Aquarium.
    Wo hatte dieses Haus die reklamierte „authentische regionale Identität“ wo blieb die „zeitgenössische Weiterentwicklung regionaltypischer Bauweisen“?
    Die Beispiele waren leider m.E. überwiegend auf die allgemeine Baukultur ausgelegt.
    Bei der Darstellung der vorbildlichen Vorarlberger Schule sprechen Sie von einer 40jährigen Tradition,
    übersehen dabei aber leider, dass die Vorarlberger Schule 25 Jahre ganz in unserem Sinne geprägt wurde von Architekten wie Michael Alder u.a.
    2. Endlich einmal eine unvoreingenommene Darstellung der europaweit vorhandenen Beispiele einer behutsamen und dauerhaften regionalen Architektur, wie sie in den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich, Belgien oder Norwegen zu finden sind.
    Gerne stelle ich Ihnen meine Beispielsammlung zur Verfügung.
    Wir beraten mit unserem Verein seit Jahren, Bauherren, Architekten, Behörden oder Bürgervereine und bieten dieses ehrenamtliche Engagement auch allen interessierten Teilnehmern an

    Ein letzter Hinweis sei mir noch gestattet: zum Thema gibt es eine ergiebige Studie von Prof. Romeiß-Stracke „Tourismusarchitektur als Erfolgsfaktor“. Ein Hinweis auf diese Arbeit wäre sicher hilfreich und wichtig für die Studie.

    Mit freundlichen Grüßen

    Michael Stojan
    für Gemeinschaft zur Förderung regionaler Baukultur e.V.

    • Sehr geehrter Herr Stojan,

      besten Dank für Ihr obenstehendes Feed-Back zu unserer Veranstaltung in Wittenberg,

      Zum Thema Regionale Baukultur haben wir uns ja am Rande der Veranstaltung bei einem Cafe bereits ausgetauscht.
      Das von Ihnen angesprochene Themenfeld ist in der Kürze der Zeit ggf. tatsächlich etwas kurz gekommen. Dies soll aber nicht heißen, dass wir die Frage der Regionalität vernachlässigen und es in besonderer Weise um die Frage der Weiterentwicklung regionaltypischer Bauweisen geht. Da ist gerade der Schwarzwald ein gutes Beispiel, wo darum gerungen wird, wie ein landschaftsbildprägender Bautyp „Schwarzwaldhaus“ nach Wegfall seiner Hauptnutzung „Landwirtschaft“ erhalten und neu interpretiert werden kann. Die Werkgruppe Lahr beschäftigt sich z. B. seit Jahren damit.
      Der Fokus unserer Veranstaltung lag allerdings auf dem Zusammenspiel zwischen Tourismus und Regionaler Baukultur. Gerade die Podiumsdiskussion zeigte, wie notwendig es ist, diese zwei Welten zusammen zu bringen. Welche Synergien aus einem gemeinsamen Handeln entstehen können, steht als eine der zentralen Forschungsfragestellungen im Vordergrund unserer Arbeit.

      Besten Dank auch für den Verweis auf die Studie von Prof. Romeiß-Stracke.
      Gerne können Sie uns Ihre Beispielsammlung zugänglich machen (ist Sie online einsehbar?).

      Wir hoffen, dass unsere im Frühjahr 15 erscheinende Publikation einen wichtigen Beitrag zum Zusammenwirken von Regionaler Baukultur und Tourismus leistet.

      Mit freundlichen Grüßen aus Aachen
      Dr. Frank Pflüger

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