Es geht weiter „Baukultur und Tourismus – Kooperation in der Region“

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Im ExWoSt-Forschungsfeld „Baukultur und Tourismus – Kooperation in der Region“ werden die Chancen der Verknüpfung von Baukultur  und Tourismus in ländlichen Räumen untersucht. Mit acht Modellvorhaben erproben wir in den nächsten Jahren, wie die Kooperation von Baukultur und Tourismus im ländlichen Raum gestärkt werden kann und welche Werkzeuge dafür gewinnbringend sind.

Baukultur und Tourismus können sich gegenseitig positiv befruchten, wie die Studie „Regionale Baukultur und Tourismus“, die wir 2014/15 im Auftrag des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) erstellt haben, gezeigt hat. Die hier erarbeiteten Erkenntnisse und Maßnahmeempfehlungen sollen nun in acht ausgewählten Modellvorhaben in der Praxis angewendet werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Unterstützung derjenigen Akteure, die Tourismus und Baukultur strategisch zusammenführen und umsetzen (wollen).

Mit den acht Modellvorhaben soll erprobt werden, wie die Kooperation von Baukultur und Tourismus im ländlichen Raum gestärkt werden kann, welche Werkzeuge dafür geeignet sind und wie die Verständigung untereinander und die gegenseitige Wahrnehmung beider Disziplinen gut gelingen kann.

Die Laufzeit der Arbeit mit den Modellvorhaben erstreckt sich von Januar 2017 bis Dezember 2018. Währenddessen werden in den Modelldestinationen Strategien für die gewinnbringende Kooperation zwischen Baukultur und Tourismus erarbeitet und mit der Umsetzung begonnen. Die Arbeit der Modellvorhaben wird vom BMUB mit jeweils 50.000 € unterstützt. Neben der finanziellen Förderung werden sie durch unsere interdisziplinäre Forschungsassistenz angeleitet und gecoacht.

Hintergrund

Baukultur und Tourismus sind zwei Disziplinen, die sich besonders im ländlichen Raum gegenseitig positiv beeinflussen können und sehr oft die gleichen Ziele verfolgen:

  • Regionale Baukultur macht Orte und Kulturlandschaften attraktiver und bildet damit das Fundament für einen florierenden Tourismus.
  • Tourismus wiederum kann einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung in ländlichen Regionen leisten und erhöht damit den Spielraum für gutes Planen und Bauen. Zudem sorgen Besucher dafür, das Bewusstsein für die eigene Baukultur zu stärken.

Gutes Planen und Bauen im regionalen Kontext ist nicht nur eine Aufgabe für Architekten und Planer, sondern für alle Menschen, denen die Bewahrung und Entwicklung der natürlichen und gebauten Umwelt am Herzen liegt. Regionale Baukultur geht über Architektur und Gestaltung eines Gebäudes hinaus und umfasst auch die Stadt- und Ortsplanung, die Errichtung von Infrastrukturbauwerken und die Gestaltung von öffentlichen Räumen und Landschaftsräumen.

Regionale Baukultur ist ein wirksames Konzept gegen die Beliebigkeit, Austauschbarkeit und Banalisierung in Architektur und Städtebau. Sie ist Teil einer immer lauter werdenden Debatte über die Qualität unserer Städte, Dörfer und Kulturlandschaften.

Tourismus wiederum erzeugt Umsätze bei privaten Unternehmen und in den kommunalen Haushalten. Ein regionaltypisches Hotel mit baukulturellem Anspruch – ob hochwertig saniert oder innovativ neu gebaut – ist zumeist ein touristischer und wirtschaftlicher Erfolg. Das Interesse der Touristen an den besuchten Regionen schärft den Sinn für die Kulturlandschaft und sorgt damit für ein höheres regionales Bewusstsein und eine erhöhte Wertschätzung der Region sowie deren Bauten.

Forschungs(leit)fragen

Alle die oben genannten Aspekte münden in der zentralen Forschungsfrage des Forschungsfeldes: „Wie kann die Kooperation von Baukultur und Tourismus im ländlichen Raum gestärkt werden?“

Dem untergeordnet sollen folgende Fragestellungen bearbeitet werden:

  • Wo kann der Tourismus durch eine Baukultur-Qualitätsoffensive gesteigert werden?
  • Welche Wechselwirkungen bestehen? Welche Strategie ist geeignet?
  • Wie eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Ebenen erreichen?
  • Wie lässt sich die Zukunftsvision „Baukulturschaffende machen Tourismus und Tourismusexperten machen Baukultur“ realisieren?
  • Erbringt die Praxis den Nachweis für eine höhere wirtschaftliche Wertschöpfung
    durch die Verknüpfung von Baukultur und Tourismus?

Projektstart

Zum Start des Forschungsvorhabens wurden acht ländliche Regionen gesucht, die das entsprechende Potenzial mitbringen und über motivierte Akteure einen langfristigen Prozess anstoßen möchten. Bei der Auswahl der Modellvorhaben wurden eine Mischung verschiedener thematischer Schwerpunkte sowie ein unterschiedlicher Stand der bereits erreichten Umsetzung angestrebt.

Arbeit in den Modellvorhaben

Die Ziele und Aufgaben in der Zusammenarbeit mit den Modellvorhaben liegen vor allem in drei übergeordneten Bereichen:

  1. Wissensbasis erweitern und verbreitern
  2. Zusammenarbeit und Dialog fördern
  3. Baukulturelle Kompetenzen auf regionaler Ebene weiter stärken

Die Akteure in den Modellvorhaben sollen in die Lage versetzt werden, baukulturelle und touristische Potenziale der eigenen Region zu erkennen, zu schärfen und weiter zu entwickeln. Das Wissen und Bewusstsein für die Chancen einer gewinnbringenden Zusammenarbeit von Baukultur und Tourismus soll vor Ort gestärkt werden. Hierbei kann und soll über Best Practices und den Erfahrungsaustausch untereinander von anderen gelernt werden. Dadurch werden gleichzeitig die fachübergreifende Zusammenarbeit gefördert und Netzwerke aufgebaut, Synergieeffekte verdeutlicht und arbeitsfähige Strukturen geschaffen.

Zu den Maßnahmen zur Erreichung der oben genannten Ziele gehören vor allem:

  • die Stärkung von Verständigung und gegenseitiger Wahrnehmung beider Disziplinen,
  • die Entwicklung einer geeigneten „Baukultur- und Tourismusstrategie“, auch zur Vermarktung von Baukultur aus der Nutzerperspektive,
  • die Erarbeitung geeigneter Beratungs-Tools,
  • die Umsetzung gemeinsam definierter Maßnahmen,
  • die Förderung beispielhafter Projektentwicklungen,
  • die Evaluation der Entwicklung.

Die ausgewählten Regionen erarbeiten sodann in den kommenden zwei Jahren eine regionale Baukultur- und Tourismusstrategie sowie geeignete Methoden und Maßnahmen zu deren Implementierung. Begleitet wird dieser Prozess durch mehrere Erfahrungswerkstätten und Regionalkonferenzen, bei denen der aktive Austausch mit den anderen Modellvorhaben des Forschungsfeldes sowie der interessierten Öffentlichkeit im Mittelpunkt steht.

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