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Forschungsprojekt Regionale Baukultur und Tourismus

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„Tourismusbauten wirken oft als Landmarks und geben Orientierung. Zeitgenössische Architektur kann einen wesentlichen Beitrag zur Identitätsbildung leisten und Impulse für eine Auseinandersetzung mit dem regionalen Lebensstil geben.“ (Studie „Architektur macht Gäste“, pla‘tou, 2007)

BAUKULTUR
setzt Destinationen in Wert und macht sie oft einzigartig. Der überwiegende Teil aller touristischen Werbematerialien operiert mit Elementen von Architektur, meist historische, aber zunehmend auch zeitgenössische.

Trotz der engen wirtschaftlichen Verzahnung der Bereiche Stadtplanung, Architektur und Tourismus gibt es bis dato keine gemeinsame Ziel- und Strategieentwicklung. Schlimmer noch: beide Bereiche sind bisher zwei Welten, zwischen denen es nur wenig Kommunikation und Austausch gibt. Erstaunlich, denn beide könnten viel mehr von einer strukturierten und zielgerichteten Zusammenarbeit profitieren.
Wie das genau aussehen könnte, soll jetzt im Zuge des Forschungsprojektes „Regionale Baukultur und Tourismus“ herausgefunden werden, das COMPASS gemeinsam mit unserem Partner in Aachen, der Stadtplaner- und Architekten-Partnerschaft Heinz Jahnen Pflüger, durchführt. Auftraggeber der Studie ist das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung.

MITTELPUNKT
des Forschungsvorhabens ist die Verknüpfung zweier Arbeitsgebiete, die für sich genommen schon intensiv untersucht worden sind – allerdings so gut wie nie von einem Forscherteam. Mit dem Thema „Baukultur“ beschäftigen sich in der Regel Architekten, Denkmalpfleger und Stadtplaner und in den Kommunen die Bau- und Planungsämter. „Der Tourismus“ wird meist von der kommunalen Wirtschaftsförderung oder vom Kulturamt und dem Tourismusverein verwaltet, von Destinationsmanagern entwickelt und vermarktet und letztendlich von Hoteliers, Gastronomen, Eventmanagern und Freizeitinfrastruktur-Betreibern umgesetzt. Mit dem nun gestarteten fachübergreifenden Forschungsprojekt werden diese nebeneinander existierenden Handlungsfelder über den Parameter „regional“ verknüpft.

Gerne wird Baukultur – auch im touristischen Kontext – mit „guter“ Architektur gleichgesetzt. Baukultur ist jedoch viel mehr als das: „Mit „Baukultur“ ist die Herstellung von gebauter Umwelt und der Umgang mit ihr gemeint. Das schließt das Planen, Bauen, Umbauen und Instandhalten ein. Baukultur beschränkt sich nicht auf Architektur, sondern umfasst gleichermaßen Ingenieurbauleistungen, Stadt- und Regionalplanung sowie Landschaftsarchitektur. Die Qualität von Baukultur ergibt sich aus der Verantwortung der gesamten Gesellschaft für ihre gebaute Umwelt und deren Pflege. Dabei hat Baukultur stets zwei Seiten. Einerseits umfasst sie als Produkt die gut gestaltete baulich-räumliche Umwelt in Städten, Dörfern, Regionen und Kulturlandschaft. Und andererseits gehören dazu Prozesse, geeignete Instrumente und Verfahren, die notwendig sind, um diese Qualität hervorzubringen. Knapp zusammengefasst lässt sich sagen: Baukultur umfasst gutes Planen und Bauen und das Reden darüber“ (aus: „Was ist Baukultur?“ im „Werkzeugkasten der Qualitätssicherung” BMBVS Hg., Berlin 2012)

ZIEL
des Forschungsvorhabens ist es nun herauszuarbeiten, wie Baukultur und Tourismus in einem spannenden Zusammenspiel neue Impulse in den Regionen setzen können. Eine der zugrundeliegenden Thesen ist, dass regionale Baukultur eine doppelte Funktion erfüllen kann: als „Qualitätslabel“ für den Tourismus einerseits und andererseits als Ansporn, den Nachfragedruck aus dem Tourismus als Impuls zu nutzen, um bauliche Qualität zu liefern.
Bei der Beschäftigung mit regionaler Baukultur wird schnell deutlich, dass bei „Baukultur“ – gerade im ländlichen Kontext – häufig nur an historische Bauten gedacht wird. Es wird daher im Forschungsvorhaben insbesondere auch darum gehen, gelungene Beispiele für zeitgenössische Neubauten auf dem Land bzw. in der Region sowie qualitätsvolle Landschaftsprojekte im Tourismussektor zu finden und zu untersuchen. Denn die Erfahrung zeigt, dass gute moderne Bauten und Land-Art-Projekte vom „Otto-Normal-Touristen“ ebenso positiv aufgenommen werden, wie gelungene Umbauten oder Umnutzungen historischer Gebäude. Das qualitätsvolle, neue Bauen auf dem Land kann und soll mit der Studie gefördert werden.

FRAGEN,
die es dabei zu beantworten gilt, sind z.B:

  • Welche Erfahrungen werden in der Zusammenarbeit von Tourismusfachleuten und Baukulturexperten gemacht und was kann man daraus lernen?
  • Wie kann die Zusammenarbeit von Baukultur und Tourismus in den Regionen gestärkt werden und wie entsteht daraus ein Mehrwert?
  • Wie kann Baukultur zur „Marke“, d. h. zum identitätsstiftenden Image einer Region werden?
  • Ist die Bewahrung historischer Bausubstanz ebenso wie die Schaffung moderner Architektur ein Zugpferd für den regionalen Tourismus?

ERGEBNIS
der Forschung soll insbesondere sein, auf der „Angebotsseite“ wirksam werden zu können, d. h. die Betreiber von Destinationen und die Unternehmen der Tourismuswirtschaft sollen – im Fall von Investitionen – animiert sein, diese qualitätsvoll, mit guter Gestalt und dem Umfeld/der Region angemessen zu realisieren. Es gilt also herauszufinden, was Antriebe für Regionen und Betriebe sein könnten, „es gut zu machen“.

AUFTAKT
des Forschungsprojektes ist die ITB 2014 in Berlin, in deren Rahmen ein erstes Expertengespräch mit ausgewählten Baukultur- und Tourismusfachleuten zum Thema „Regionale Baukultur und Tourismus“ stattfinden wird. Die Veranstaltung hat das Format eines moderierten Workshops, um die dahin erarbeiteten Erkenntnisse zur Diskussion zu stellen, Fragestellungen zu konkretisieren und mit Erfahrungen der Praktiker zu ergänzen.
Zudem ist das Forschungsprojekt am Stand der CBS in der Wissenschaftshalle präsent (Halle 11.1 Stand 202). Wenn Sie Interesse an dem Thema haben und auch auf der ITB sein sollten, kommen Sie doch einfach vorbei – Sie sind herzlich eingeladen, sich aktiv in diesen Diskurs einzubringen! Wir freuen uns auf gute Beispiele, spannende Ansätze und interessante Akteure!

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt auf unserer Webseite (Inhalte folgen in Kürze): www.baukultur-und-tourismus.de