„Zuhause“ im Albergo Diffuso Mainbernheim – Ein Erfahrungsbericht

Ein Gastbeitrag von Michael Fritsch

Kennen Sie das angenehme Gefühl, im Urlaubsort für Einheimische gehalten zu werden? Es ist immer wieder schön in den Ferien in die Rolle von Bewohnerinnen und Bewohnern eines Ortes zu schlüpfen. Gleich mehrfach passierte es uns als Gäste in Mainbernheim, einer kleinen Stadt in Franken, dass wir danach gefragt wurden, ob es im Ort irgendwo ein Café gäbe und wo die Radlerherberge sei? Wir fühlten uns dementsprechend schnell zuhause.

Seit Juli 2020 besteht in Mainbernheim Deutschlands erstes Albergo Diffuso Projekt. Verschiedene Gastgeber und Gastronomen haben sich zusammengeschlossen und bieten ihre, über den historischen Ortskern verteilten, Zimmer und Ferienwohnungen in ansprechend sanierten, umgenutzten Gebäuden an; die Rezeptionszeiten teilen sich ein Gasthaus und ein Café. Zu finden ist dies alles über die Webseite www.albergo-diffuso-mainbernheim.de. Die Idee ist nicht neu und stammt aus Italien. Seit mehr als 30 Jahren arbeiten dort zahlreiche Dörfer nach dem Albergo Diffuso Prinzip. Erfunden wurde das Konzept um von Abwanderung betroffene Bergdörfer vor Leerstand und Verfall zu bewahren.

In Mainbernheim startete nun der Betrieb nach etwa dreijähriger intensiver Planungszeit im Rahmen des ExWoSt-Forschungsfeldes „Baukultur und Tourismus“. Bisher nehmen die Gemeinde mit der „Radlerherberge“ (insg. 14 Betten) sowie vier private Gastgeber mit weiteren ca. 20 Betten und das Café Bärenstark teil. Weitere Akteure sind sehr erwünscht – es gibt schon entsprechende Gespräche.

Wir verbrachten ein sehr erholsames Spätsommerwochenende im liebevoll sanierten „Fränkischen Cottage“ der Familie Scheller. Morgens spazierten wir durch die Altstadtgassen zum Frühstück ins „Gasthaus Bären“ bzw. ins „Café Bärenstark“. Nachmittags, bei Kuchen und Kaffee, saßen wir am Dorfbrunnen und beobachteten die vielen Radler, die den Ort mit dem italienischen Flair bestaunten. Bevor es zum echt fränkischen Abendessen in einen der örtlichen Gasthöfe ging, hatten wir Muße für Zeitungslektüre in unserem kleinen Vorgarten und kamen dabei mit der Nachbarin ins Gespräch.

Zum Freizeitprogramm gehörte ein geführter Stadtrundgang durch den historischen Ortskern, entlang der geschlossenen Stadtmauer mit den 18 Türmen und zu den „Grabengärten“ vor der Mauer, in denen die Bewohner/innen Obst, Gemüse und Blumen anbauen.

Eine Wanderung in den ebenfalls sehr sehenswerten Nachbarort Iphofen führte uns am „Bärles-Weg“ vorbei, einem durch eine Bewohnerinitiative speziell für Kinder angelegten Wanderweg. Am nächsten Tag fuhren wir mit Fahrrädern zum Schwanberg bei Rödelsee und genossen die tolle Aussicht über das Maintal und die Umgebung.

Das Albergo Diffuso Mainbernheim kann mit den italienischen Pendants ganz sicher mithalten. Unserem Bedürfnis nach regionaler Baukultur, nach einem intakten Ortsbild kombiniert mit allen Annehmlichkeiten der örtlichen Gastronomie sowie nach Authentizität der Unterkunft wurde voll und ganz entsprochen.

Michael Fritsch

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